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09.07.2022:
Da sind sie wieder

Der Gmünder Sommer brummt seit Mai. Die City eine große Bühne. Wörtlich zu nehmen im Stadtgarten. Verhüllungen à la Christo machen neugierig auf das, was kommt: Freilichttheater mit "Momente der Staufersaga" bei den Europäischen Staufertagen. Wieder einmal großes Theater mit den historischen Gewändern aus der Gewandmeisterei. Farbenprächtig, kostbar, "sie verwandeln uns in die Figuren jenes Mainzer Hoftages im 12. Jahrhundert!", so die Aussagen meiner Interviewpartner. "Man richtet sich auf, man latscht nicht, man schreitet!", sagt Kaiser Friedrich, der es schön findet, wie man als Kaiser umgarnt wird.
Es wurde geprobt mit 300 Mitwirkenden aller Couleur. Das ist wörtlich zu nehmen, denn Sarazenen sind nicht geschminkt, sie tragen ihre natürliche Hautfarbe und bewegen sich so, wie man es sich vorstellt. Asylbewerber und Flüchtlinge sind in den Hofstaat integriert. Und nicht nur das, sie gehören fest dazu, nicht nur auf der Bühne.
Dann das letzte Jahrgangsfest. Jahrgangsfeste gibt es nur in Gmünd. Jeder Zehner-Jahrgang ab 40 macht einen Altersgenossenverein, der ab 30 fleißig Geld spart und Gemeinsamkeit pflegt, um dann zum ersten Mal zum 40er aufzutreten. Fünf mal großes Aufgebot an Musik und Fantasie im Umzug durch die Stadt, wo die Festtägler mit Rosen beglückt werden und traditionell an der Johanniskirche mit Trompetenschall und Kanonenknall begrüßt zu werden, und dann die Aloisle-Hymne schmettern.
Als letzte waren die 80-er dran. Vor zehn Jahren bildeten sie das höfische Gefolge in der Staufersaga. Diesmal kam eine Abordnung edler Gewandeter und geleitete den Zug, dazu Fahnenschwinger aus der italienischen Partnerstadt Faenza. Und die Edlen: Kaiser Friedrich II., an seiner Seite eine Dame des Mainzer Hoffestes. „Eine Maitresse!“, flüsterte ein Kühner in die Runde. Herzog Eberhard von Sachsen und seine Gemahlin beschwerten sich: „Schwere Anreise, der Friedrich tut nix für seine Straßen!“ So liegen sich Gegenwart und Vergangenheit in den Armen.