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18.04.2026:
Ein fröhlicher Tod ...

.. vielleicht hört es sich makaber an, doch anders kann ich es nicht benennen, denn hier war Alkohol im Spiel.
Aber von vorn:
Seit Monaten hatte ich die Ahnung, dass ich mein Arbeitszimmer mit jemandem teile. Nicht zu hören, nicht zu sehen, nicht zu riechen. Sicherheit bekam ich von diesem Jemand, als ich einen Packen aus dem Papiervorrat zog, dessen Außenhülle fein säuberlich angenagt war. Alles, was aus dem Regalfach zu erreichen war, bröselte beim Herausnehmen.
Sorgfältiges Suchen nach weiteren Spuren erbrachte kein Ergebnis. Keine schwarzen Hinterlassenschaften lagen rum. Hatte die Maus Verdauungsstörungen oder ... oder ... oder?
Meine Annahme, dass sie sich nur im Arbeitszimmer aufhielt, erwies sich als falsch. Eines Abends passierte es. Die frisch geöffnete Bierflasche schäumte champagnergleich über, flutete den Tisch und rasend schnell den Fußboden. Rasend schnell ist nicht übertrieben, denn der Bauherr unserer Wohnung hat eine schiefe Bodenebene geschaffen, die eine Murmel in Blitzgeschwindigkeit vier Meter Diagonale schaffen lässt. Das Bier, nahe der Endstrecke, schaffte das auch.
Als ich mit Lappen und Schrubber zurück ins Wohnzimmer kam, sah ich sie. Die Maus, die schon so lange unentdeckt mit mir lebte. Sie schlabberte genüsslich die Bierspuren auf und arbeitete sich zu dem kleinen See in der Ecke vor.
Fasziniert beobachtete ich das Schauspiel, das endete, als sich die Maus selig lächelnd auf dem Rücken liegend verabschiedete.
Welch ein Abgang! Mit einer Schaufel beförderte ich sie zur letzten Ruhe auf den Kompost im hinteren Garten, fein abgedeckt mit Salatblättern. Am Morgen prüfte ich die Grabstätte. Nichts mehr zu finden. Am Himmel zog der Rotmilan im großen Kreis mit Beute in den Wald zum Familiennest.