08.02.2026:
Es gibt sie überall ...
... diese leckeren Magenfüller: Kleine Teigbeutel, mit Fleisch gefüllt. Mit Namen wie Maultasche, Ravioli, Pirogge, Manti oder Pelmeni. Letztere ohne Schmand sind die georgischen Chinkali.
Meine erste Chinkali-Erfahrung: Im georgischen Kaukasus, unweit der russischen Grenze. Unser Quartier war schlicht. Das Badezimmer, die Badewanne von eingeweichten Hemden und Hosen der Söhne der Besitzerin besetzt, war nicht zu benützen, wenn man gerade sollte/wollte. Denn es gab noch sechs weitere Bewohner. Zähneputzen hab ich ausquartiert. Der Blick über den kleinen Kartoffelacker zu den majestätischen Bergen machte es zum Vergnügen.
Wir aßen in einem kleinen Gasthaus. Ein Tisch, vier Stühle, im Hintergrund um den Ofen scharten sich Männer mit windgegerbten Gesichtern, Bergstiefel an den Füßen, in ein emotionales Gespräch vertieft.
Eine Frau fragte, ob wir Chinkali wünschten. Natürlich - es war das einzige Gericht im Angebot. Sie verschwand hinter einem schmalen Vorhang. Durch einen Spalt erspähte ich die "Küche": Die Feuerstelle wie ein größerer Blumentopf, darauf ein Zehn-Litertopf, ein Brett auf den Knieen der Frau, die flink Teigkreise mit einem Glas ausschnitt. Ein knapper Teelöffel Lammhack mit Kräutern auf ein Rund, dann in 32 weiche Faltungen zu einem kleinen Beutel gerafft - und ab ins kochende Wasser, kurz darauf auf die Teller, dann mit "Gemrielad miirtwit!" auf den Tisch.
Gut, dass unsere einheimischen Freunde die Einweisung übernahmen: Beutelchen oben anfassen, vorsichtig ein Loch in den Boden beißen, den Saft schlürfen und dann alles in den Mund - bis auf den "Stiel". Am Tellerrand abgelegt wird am Ende gezählt, wie viele man verspeist hat - je höher die Zahl, umso besser - als unausgesprochenes Kompliment ...