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30.10.2013:
Alles ist im Fluss …

Eine meiner Lieblingsstorys aus der Vergangenheit, mit der ich auf Gesellschaften in meinem Hause stets ungläubiges Gelächter erzielte, hat ihre Pointe verloren! Das ist jammerschade, denn ich hatte genau die Pointe erlebt und war unbändig stolz darauf, dass niemand so genau hingeschaut hatte wie ich.
Merkt ihr's? Irgendwann kommt Hochmut vor den Fall. Eine Weisheit, die mir gesungen wurde seit Kindertagen. Aber, was ich erzähle, ist die WAHRHEIT!
Als ich vor 41 Jahren just zu dieser Jahreszeit zwei Wochen in Südfrankreich verbrachte, ach, es waren schöne Sonnentage, grad so wie heute!, besuchte ich Biot. Der Krieg zwischen jenen Menschen, die diesen Ort bio aussprechen und mir, die ich biot sagte, dauerte viele, viele Jahre. Ich bestand auf meiner Aussprache, hatte ich sie doch von einer alten Provencalin eingebläut bekommen. Das nur nebenbei.
Tief beeindruckt verbrachte ich mehrere Stunden in der Bewunderung der Glasbläser, die in meditativem Rhythmus mit ihren glühenden Glasstäben zwischen Ofen und Arbeitsplatz hin- und herwandelten, dabei die Glasstäbe in wunderbar bauchige Formen, schmale Vasen, Amphoren, Gläser und Kelche verwandelten - und dabei spuckten!
Meine erste Frage an den Glasbläsermeister war: "Woher haben die denn so viel Spucke?" Der Mann lachte laut, denn sowohl Frage wie mein unverblümtes Französisch amüsierten ihn. Gut, der erste Teil erklärte sich sofort von allein, denn ich entdeckte einen Glasbläser bei einem langen Zug aus der Wasserflasche.
Mit dem Spucken hat es eine andere Bewandtnis. Er zeigte mir das Besondere am Biot-Glas. Die vielen Blaseneinschlüsse kamen von der Spucke der Glasbläser. Sagte er. Mir war vollkommen klar, dass er damit recht hatte. Denn die eingeschlossenen Bläschen hatten sehr unterschiedliche Größen. Vom Sprühspucken bis zum Tropfen war alles vom Glas eingeschlossen.
Ich kaufte Dessertschüsselchen ein. Nicht im Telekom-Magenta, sondern in einem herrlichen Grün. Die Verkäuferin fühlte sich auf eine Geduldsprobe gestellt, als ich die Schüsseln nicht aus dem vorbereiteten 6-Karton unbesehen nehmen wollte, sondern nach besonders schönen Spuckergebnissen sortierte. Ich bin heute noch verwundert, dass man meine kleine Einkaufsorgie nicht kurzerhand beendete. Es fand - trotz des Aufwands, den ich verursachte - nur die kleine Auswahl von sechs Schüsseln Gnade vor meinen Augen. Allerdings hatte ich die anderen Besucher auf eine Idee gebracht …
Was ist passiert? Meine Geschichte ist Geschichte. Kein Grauen mehr in den Augen der Gäste, wenn ich nach dem Dessert die Spuck-Geschichte servierte - sondern dank Smartphone die Info, dass das heute nicht mehr stimmt! Es ist das Patent der Verrerie Biot, zwischen zwei Glasflächen le bicarbonat einzuschleusen, das heute für viele kleine gleichmäßige Bläschen sorgt! Tant pis!