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29.07.2013:
Liebeserklärung: Jetzt bin ich Fan!

Na ja, ein erklärter Udo-Lindenberg-Fan bin ich nie gewesen. Seine Texte, ja, die fand ich gut, manche etwas besser, manche trafen meine Denke. Aber Udos Tonfall war für mich nur in kleineren Dosen erträglich. Das ist jetzt anders. Jetzt bin ich Fan. Nicht vom Original, sondern von seinem Alter Ego, besser alter idem. Denn das ist Johannes Dunkl, der Udo Lindenberg nicht covered, sondern verkörpert, in des Wortes ursprünglicher Bedeutung: als zweites Selbst.
Johannes Dunkl, Schauspieler und Regisseur, wird nur richtig sauer, wenn man ein 'e' in seinen Nachnamen schmuggelt. Sagt der 52-Jährige. Dass er gerade zweieinhalb Stunden Performance geliefert hat, merkt man ihm kaum an. Gut, das Hemd ist durchgeschwitzt. Kein Wunder, denn zu den über 30 Grad Celsius am Abend kamen noch jede Menge Scheinwerfer-Watt. Ich hatte erwartet, dass er mich mit meinen Fragen auf später vertröstet. Aber nein, sofort schaltet er, als ich ihn hinter der Bühne anspreche, von Lindenberg auf Dunkl, nimmt die Sonnenbrille ab - und den Hut. Darauf war ich besonders gespannt. Waren Lindenbergs Zottellocken echt oder nur an den Hutrand geheftet? Eine Frage, die mich von der ersten Minute seines Auftritts brennend interessierte.
Johannes Dunkl hat zweieinhalb Stunden in Udo Lindenberg gesteckt. Ein Körper voller Spannung, vom Kopf bis in die Zehenspitzen. Während er die rauen Töne in den Abendhimmel schickt, trippelt und spitzentanzt er über die Bühne und den Ausläufer. Kilometer an Kilometer reiht er in Beinarbeit. Rundbuckelnd, sich aufrichtend, niederknieend vor seiner jungen schönen eloquenten Cellistin, auf dem Sprung zum Duett mit der Sängerin Jessica Klaus mit dem tätowierten linken Arm, dann zur zehnjährigen Greta Schürle, mit der gesungenen Zukunftsfrage "Wozu sind denn Kriege da?"
Es war eine Mega-Show, die diese Bezeichnung verdient. In Schechingen, einem Dorf im Ostalbkreis. Knapp 129 qkm groß, mit 1200 weiblichen und 1125 männlichen Einwohnern. Einer davon ist Johannes Dunkl, der die Udo-Haare auf dem Kopf und nicht am Hutrand trägt.