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15.06.2017:
Ein Mann, der die Welt veränderte und verändern wird

Leider, leider, leider muss hier die Vergangenheitsform benutzt werden. Ibrahim Abouleish ist heute im Alter von 80 Jahren gestorben. Ibrahim wer? wird sich manch einer fragen. Dr. Ibrahim Abouleish war ein Futurist. Ein Mann voller Ideen, die er tatkräftig auf die Erde holte.
Ich erinnere mich gut daran, wie Dr. Abouleish auf einer internationalen Tagung den Gedanken vertrat, dass sich Christliches und Muslimisches fabelhaft ergänzen und ein gemeinsames Projekt erfolgreich sein könnte. Ungläubigkeit auf der Seite der christlichen Fraktion: "Unmöglich, das kann niemals gehen!"
Und es ging doch. Ein blühendes Beispiel im besten Wortsinne ist SEKEM in Ägypten. Hier wurden Steine und Sand zu blühenden fruchtbaren Feldern und Gärten. Hier arbeiten Muslime und Christen gemeinsam an der Entwicklung des Sozialen. Im besten Sinne. Tief beeindruckt war ich von Dr. Abuleishs Durchhaltevermögen. Er ließ sich nicht beirren. Er glaubte daran, dass viel mehr Gemeinsames in den Menschen unterschiedlicher Religionen steckt als Trennendes. Es war mir eine große Ehre, eine Tagung in Stuttgart für und mit ihm vorzubereiten. Texte von mir, Gestaltungsideen von 'meiner' Grafikerin - und Dr. Abouleish. Die Tagung war überfüllt, die Menschen kamen - und ich war glücklich, als er mir dankte und für mich sofort einen Platz neben sich räumen ließ.
Hier liegt eines seiner Geheimnisse. Jeder Mensch, der mit ihm zu tun hatte, war ihm wichtig. Er sah, dass viele kleine Details das große Bild erfolgreich machen. Er war ein durchsetzungsstarker Mensch, beharrlich, dabei ein Mensch, der Zuneigung zeigte. Wenn ein Mensch ohne Masken vor ihm stand.
Was wird aus SEKEM? Ich bin ohne Sorge. Da haben sehr viele Menschen lange Zeit mit ihm zusammen gearbeitet. Seine Idee verstanden. Eine schadstofffreiere Welt, Anbaumethoden, die im Einklang mit Boden und Atmosphäre stehen, die unfruchtbare Erde zu fruchtbarem Ackerboden macht, Schulung des Geistes, um naturwissenschaftliches Denken um viele Dimensionen erweitern zu können, gesellschaftliche Ideen, die zu einem friedlichen Miteinander führen. Letztlich Ende von Hungersnöten, was hoffentlich zu mehr Frieden führen wird. Illusion? Keineswegs. Aber Profitgier wird nicht befriedigt. Dafür ist kein Platz.

Ibrahim Abouleish:
Inmitten von Sand und Wüste sehe ich mich vor einer sprudelnden Wasserquelle. Sorgfältig pflanze ich Bäume, Kräuter sowie Blumen und befeuchte ihre Wurzeln mit den kostbaren Tropfen. Das kühle Wasser des Brunnens zieht Menschen und Tiere an, damit sich diese daran erfrischen können. Bäume geben Schatten, das Land wird grün, duftende Blumen blühen, Insekten, Vögel und Schmetterlinge zeigen ihre Hingabe an Gott, den Schöpfer, als ob sie die erste Sura des Korans zitieren. Die Menschen, die das verborgene Lob Gottes wahrnehmen, kümmern sich und sehen alles Entstandene als Reflexion des Paradieses auf Erden. Für mich ist diese Idee einer Oase inmitten einer feindlichen Umgebung wie ein Bild der Wiederbelebung im Morgengrauen, nach einer langen Reise durch die nächtliche Wüste. Ich sah es vor mir wie ein Modell, bevor die eigentliche Arbeit in der Wüste begann. Und doch wollte ich in Wirklichkeit noch mehr: Ich wollte die ganze Welt entwickeln.